WiMM Blog 5 | Money, Money, Money ...


Wie das mit dem Geld in einer Genossenschaft funktionieren kann.


Heute möchte ich noch einmal erklären, wie das mit der Finanzierung in einer, genau genommen in unserer Genossenschaft funktioniert. Als Grundlage dienen die Schaubilder aus Lisas Präsentation.


Hier also das Konzept:


Darin sieht man, dass das Geld für Kauf und Bau aus drei Richtungen kommt:

Der erste Teil ist das Eigenkapital der Genossenschaft. Das wiederum kommt von ihren Mitgliedern. Denn die kaufen Genossenschaftsanteile. Ein Anteil kostet 1000 €. Wie viele Anteile jeder kauft, hängt davon ab, ob man nutzendes oder investierendes Mitglied ist. Nutzende Mitglieder brauchen natürlich mehr Anteile. Die Summe dieser Anteile sind das Eigenkapital der Genossenschaft. In unserem Fall brauchen wir ca. 44 % der kalkulierten Gesamtsumme.

Der zweite Teil setzt sich aus Fördergeldern zusammen

Aus verschiedenen Töpfen können wir Förderungen erwarten, zum Beispiel aus dem Denkmalschutz und der Wohnbauförderung. Etwa 13 % der Kosten können wir voraussichtlich damit bestreiten.

Der dritte Teil kommt von Banken, bei denen die Genossenschaft Kredite aufnimmt.

Insgesamt reden wir hier von voraussichtlich 43 % der Gesamtsumme. Erfreulicherweise kann ein Großteil davon sehr günstig über die KfW-Bank finanziert werden.

Das ist die Grundlage. Mit diesem Geld kann unsere Genossenschaft nun arbeiten: also ein altes Baudenkmal kaufen und daraus ein Zuhause für ihre Mitglieder machen!

Schließlich und endlich werden die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein und die Wohnungen können bezogen werden. Wie geht es dann weiter mit den Finanzen?


Die Genossenschaft vermietet jetzt ihre Wohnungen an die nutzenden Mitglieder. Mit den Mieteinnahmen kann sie die nun anstehenden Ausgaben bewältigen:

1. Tilgung

Zuallererst müssen die Schulden bezahlt werden, das hat oberste Priorität: Die aufgenommenen Kredite müssen getilgt werden. Zinsen fallen natürlich auch an.


2. Rücklage

Außerdem muss die Genossenschaft eine Rücklage bilden. Dazu ist sie sogar von Rechts wegen verpflichtet: Sie muss sich ein Polster ansparen für den laufenden Betrieb und für kommende notwendige Ausgaben.


3. Dividende

Schließlich geht ein dritter Teil zurück an die Mitglieder: Die Dividende ist die Gewinnbeteiligung, die für jeden Anteil ausbezahlt wird. Festgesetzt wird die Höhe der Dividende in der jährlichen Generalversammlung. Das heißt, dass alle Mitglieder in einer demokratischen Abstimmung selbst darüber entscheiden. Natürlich ist die Vorgabe, dass die Genossenschaft wirtschaftlich stabil bleibt. Deshalb müssen wir der Ehrlichkeit halber sagen, dass mit Dividenden während der Bauzeit und auch in den ersten Jahren nach Bezug wegen der hohen Investitionskosten für eine ganze Weile noch nicht zu rechnen ist.

So, und nun zu den Fragen, die vermutlich aufgetaucht sind:


FAQ:


Das heißt, wenn ich da wohnen will, muss ich Anteile kaufen UND Miete zahlen??

Ja, das ist so. Und da wir eine kleine und neue Genossenschaft sind, ist der Batzen, den die wohnenden Mitglieder über Anteile einbringen müssen, auch nicht unerheblich.  

Aber:

  • Die Anteile gehören dir. Wenn du dich entschließt, wieder auszuziehen, bekommst du das Geld auch wieder ausbezahlt.
  • Ein Großteil der Anteile kann sehr günstig über einen KfW-Kredit (Nr. 134) finanziert werden.
  • Die Höhe der Miete wird durch die Generalversammlung, also durch uns selbst festgelegt. Sie muss hoch genug sein, dass die Genossenschaft liquide bleibt. Aber, wichtig: Niemand will hier Gewinne machen! Dadurch können wir langfristig günstigere Mieten gewährleisten.
  • Was die Höhe der Mieten angeht, so streben wir zu Beginn eine Orientierung am Mietpreisspiegel an und wollen dann stabil bleiben, während der Spiegel steigt.

Nutzende und investierende Mitglieder, was genau bedeutet das?

Eine Genossenschaft besteht aus ihren Mitgliedern, und sie lebt von und mit ihnen. 

Jedes Mitglied besitzt mindestens einen Genossenschaftsanteil im Wert von 1000 €. Das ist ein bisschen so wie eine Aktie: Dadurch gehört dir ein kleines Stück der Genossenschaft.

  • Nun gibt es einerseits die nutzenden Mitglieder: Das sind diejenigen, die selbst in einer Wohnung der Genossenschaft leben, diese also nutzen. Als nutzendes Mitglied musst du mehr Anteile kaufen. Wie viele genau ist abhängig von der Größe der Wohnung und in einer Richtlinie festgelegt. Wer nutzendes Mitglied werden möchte, durchläuft vorher eine Phase des gegenseitigen Kennenlernens, in der sowohl die Interessenten als auch wir herausfinden können, ob es passt. Schließlich geht es nicht „nur“ um eine Wohnung, sondern um viel mehr.
  • Andererseits gibt es die investierenden Mitglieder: Die kaufen einen oder auch ein paar mehr Anteile, ohne eine der Wohnungen zu beziehen. Für die Genossenschaft ist es von sehr großem Wert, möglichst viele investierende Mitglieder zu haben. Denn je mehr Geld ihr als Eigenkapital zur Verfügung steht, umso leichter kann sie ihre Ziele verwirklichen. Und es gibt ja durchaus gute Gründe, sein Geld in ein paar Genossenschaftsanteilen anzulegen…

Und hier kommt der Werbeblock:

  • Vielleicht findest du ja ganz einfach unsere Idee des gemeinschaftlichen, selbstbestimmten und generationenübergreifenden Wohnens klasse und magst das unterstützen?
  • Oder möchtest du gerne ganz nah dran sein und auf dem Laufenden bleiben, zum Beispiel auch durch die Generalversammlungen?
  • Oder spielst du mit dem Gedanken, selber irgendwann mal nutzendes Mitglied zu werden?
  • Oder möchtest du vielleicht andere Nutzungsmöglichkeiten haben, die wir hier und heute noch nicht konkret benennen können, die wir aber schon andenken?
  • Oder, oder…

Wenn du also gerne investierendes Mitglied werden möchtest, komm gerne auf uns zu. Wir haben da ein gaaanz offenes Ohr!  ;-) 


Für alle angehenden Mitglieder gilt, dass der Vorstand gemäß den Richtlinien über deren Beitritt beschließt. Auch die Zahl der möglichen (bei investierendenoder notwendigen (bei nutzenden) Mitgliedern ist in Richtlinien geregelt. 

Die genauen Rechte von nutzenden und investierenden Mitgliedern sind in der Satzung festgelegt.

Wie viel Anteile muss ich denn kaufen, wenn ich bei euch wohnen möchte?

Das kommt auf die Größe der Wohnung an, aber nicht nur. Um junge Familien mit Kindern nicht über Gebühr zu belasten, haben wir ein Sockelmodell entwickelt. Für nähere Informationen nimm gerne Kontakt mit uns auf.

Woher nehme ich das Geld für die Anteile?

Für den Kauf von Genossenschaftsanteilen gibt es einen wirklich sehr günstigen Kredit (Nr. 134) von der KfW-Bank. Damit wird vieles leichter. Allerdings sind auch hier gewisse Sicherheiten nötig. Erste Infos dazu bekommt ihr gerne von uns, weitere von eurer Bank.

Und woher bekommt die Genossenschaft ihre Kredite?

Auch die Genossenschaft selbst kann, wie schon erwähnt, einen großen Teil des benötigten Geldes günstig von der KfW-Bank leihen. Wieviel das ist, hängt davon ab, wie viele Wohnungen tatsächlich entstehen. Darüber hinaus werden Kredite bei anderen Banken nötig sein. Vielleicht finden wir aber auch private Kreditgeber, die unser Projekt zinsgünstig unterstützen wollen. (Falls du jemanden weißt oder du selbst unser Projekt mit einem Privatkredit unterstützen möchtest, komm gerne auf uns zu!)

Wieso immer KfW-Bank? Was ist das eigentlich?

Sie ist die deutsche Förderbank, die im Auftrag des Bundes und der Länder wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklungsziele unterstützt. Für unser Projekt bekommen wir von ihr quasi aus zwei Richtungen kräftig Hilfe: Zum einen können wohnende Genossenschaftsmitglieder einen SEHR günstigen Kredit bekommen für den Kauf der Anteile [Link zur KfW-Bank]. Zum anderen gewährt die KfW-Bank auch der Genossenschaft selbst günstige Kredite für die Bereitstellung von Wohnraum.

Money, Money, Money… kein einfaches Thema.

Entsprechend war das jetzt ganz schön viel Info, puh! Super, dass du dich bis hierhin durchgeackert hast. Ich hoffe, dass ich für ein bisschen Durchblick sorgen konnte.


Wenn du noch weitere Fragen hast, melde dich gerne bei uns unter hallo@wohnprojekt-wimm.de

Wir freuen uns über dein Interesse!


Jaa, der Weg zum gemeinschaftlichen Wohnen in Memmingen kostet nicht nur viel Enthusiasmus, viel Mut und viel Tatkraft, sondern auch viel Geld. Aber gemeinsam schaffen wir auch das.


Beste Grüße von unterwegs!

Wer schreibt hier?


Christine Koslitz,

nach anfänglicher Skepsis längst in zunehmender Vorfreude auf das gemeinsame Wohnen mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten. Hier in der Rolle der Oma, manchmal der Köchin, gerne der Schreiberin und, weil es jemand machen muss, der Vorsitzenden des Aufsichtsrates.